
6 Grundtechniken der Aquarellmalerei
Aquarell sieht oft herrlich mühelos aus. Ein bisschen Wasser, etwas Farbe, fertig.
Leider hat das Aquarell davon nichts mitbekommen.
Gerade am Anfang hilft es deshalb enorm, ein paar grundlegende Techniken zu kennen. Nicht, weil man anschließend jede Wasserpfütze auf dem Papier kontrollieren kann, sondern weil man besser versteht, warum die Farbe gerade das tut, was sie tut.
In diesem Beitrag zeige ich dir sechs Grundtechniken, die dir bei fast jedem Aquarell begegnen werden.
Schaue auch mein Video dazu auf YouTube

1. Nass auf trocken
Bei Nass-auf-Trocken kommt die feuchte Aquarellfarbe auf trockenes Papier.
Das gibt dir vergleichsweise viel Kontrolle. Die Kanten bleiben klarer und die Farbe läuft nicht sofort über das halbe Blatt davon.
Diese Technik eignet sich besonders gut für:
- klare Formen
- Details
- definierte Schatten
- kleinere Farbflächen
- spätere Ausarbeitungsschritte
Wenn du gerade mit Aquarell anfängst, ist Nass-auf-Trocken meistens eine ziemlich dankbare Technik.
2. Nass in nass
Hier wird zuerst das Papier angefeuchtet und anschließend Farbe in die noch nasse Fläche gegeben.
Jetzt wird es deutlich weniger kontrolliert.
Die Pigmente verteilen sich im Wasser, Farben laufen ineinander und es entstehen weiche Übergänge und zufällige Strukturen.
Genau das ist gleichzeitig der Reiz und die kleine Gemeinheit dieser Technik.
Nass-in-Nass eignet sich gut für:
- weiche Hintergründe
- Himmel
- unscharfe Farbflächen
- atmosphärische Effekte
- lockere erste Farbanlagen
Wie stark die Farbe läuft, hängt davon ab, wie nass Papier und Pinsel gerade sind.
Und ja: Das lernt man vor allem durchs Ausprobieren.
3. Lasieren
Aquarellfarbe ist transparent. Diese Eigenschaft kannst du nutzen, indem du mehrere dünne Farbschichten übereinanderlegst.
Dabei lässt du jede Schicht trocknen, bevor die nächste darüberkommt.
So kannst du Farben vertiefen, Schatten aufbauen oder Farbtöne verändern, ohne die darunterliegenden Schichten komplett zu verdecken.
Das nennt man Lasieren.
Besonders bei Porträts nutze ich diese Technik gern, weil sich Hauttöne und feine Farbnuancen Stück für Stück entwickeln lassen.
Wichtig: Nicht zu viel hin und her schrubben. Sonst löst du die darunterliegende Schicht möglicherweise wieder an und aus schöner Transparenz wird irgendwann Aquarell-Sumpf.
4. Farbverläufe
Ein gleichmäßiger Verlauf klingt simpel, braucht aber etwas Übung.
Du beginnst mit einer stärker pigmentierten Farbe und lässt sie nach und nach heller werden, indem du immer mehr Wasser hinzufügst.
Alternativ kannst du zwei Farben ineinanderlaufen lassen.
Farbverläufe helfen dir unter anderem bei:
- Schatten
- Hintergründen
- Kleidung
- Hauttönen
- größeren Farbflächen
Das Verhältnis von Wasser, Pigment und Geschwindigkeit ist dabei wichtiger als irgendein geheimes Künstlerinnenritual.
5. Trockenpinseltechnik
Bei der Trockenpinseltechnik befindet sich nur wenig Wasser im Pinsel.
Die Farbe gleitet dadurch nicht gleichmäßig über das Papier, sondern bleibt vor allem an der Papierstruktur hängen.
Es entstehen gebrochene, raue Spuren.
Das kann großartig sein für:
- Haare
- Fell
- Stoffstrukturen
- verwitterte Oberflächen
- einzelne lebendige Akzente
Je rauer das verwendete Aquarellpapier ist, desto deutlicher wird dieser Effekt.
6. Farbe wieder abnehmen
Aquarell ist nicht komplett unkorrigierbar.
Solange eine Fläche noch feucht ist, kannst du mit einem sauberen, leicht feuchten Pinsel Farbe wieder aufnehmen.
Auch nach dem Trocknen lassen sich manche Pigmente vorsichtig wieder anlösen.
Damit kannst du zum Beispiel:
- Lichtstellen zurückholen
- zu starke Farbflächen abschwächen
- Highlights erzeugen
- kleinere Fehler korrigieren
Wie gut das funktioniert, hängt allerdings stark vom Pigment und vom Papier ab.
Manche Farben lassen sich bereitwillig wieder entfernen.
Andere haben beschlossen, dort jetzt für immer zu wohnen.
Wasser ist eigentlich die siebte Technik
Wenn Aquarell am Anfang frustrierend ist, liegt das häufig gar nicht an der Farbe.
Es liegt am Wasser.
Zu nass und alles läuft.
Zu trocken und die Übergänge funktionieren nicht.
Deshalb lohnt es sich, beim Üben nicht nur darauf zu achten, welche Farbe du benutzt, sondern auch:
Wie nass ist das Papier?
Wie viel Wasser ist im Pinsel?
Wie stark ist die Farbe pigmentiert?
Ist die vorherige Schicht schon trocken?
Mit der Zeit bekommt man dafür ein Gefühl.
Welches Papier eignet sich zum Üben?
Gerade bei Aquarell macht das Papier einen enormen Unterschied.
Sehr dünnes Papier wellt sich stark und nimmt Wasser anders auf. Für ernsthaftere Übungen würde ich deshalb Aquarellpapier verwenden, das für größere Wassermengen gemacht ist.
Ich arbeite für viele meiner Aquarelle mit hochwertigem Papier um 300 g/m².
Das bedeutet nicht, dass du zum Üben sofort das teuerste Papier kaufen musst. Aber wenn eine Technik partout nicht funktioniert, kann tatsächlich auch das Material daran beteiligt sein.
Muss man alle Techniken beherrschen?
Nein.
Du musst schon gar nicht bei jedem Bild demonstrieren, dass du sie alle kennst.
Die Techniken sind Werkzeuge.
Je besser du verstehst, wie sie funktionieren, desto leichter kannst du entscheiden, wann du welche davon tatsächlich brauchst.
Ich kombiniere bei meinen eigenen Arbeiten meistens mehrere Techniken innerhalb eines Bildes.
Und wenn die Grundlagen sitzen?
Dann wird es interessant.
Aquarell muss nämlich überhaupt nicht immer nur aus klassischen Lasuren und hübschen Farbverläufen bestehen.
Du kannst stempeln, spritzen, Strukturen erzeugen, Materialien kombinieren und ziemlich viele Dinge mit Farbe anstellen, die im klassischen Aquarell-Lehrbuch eventuell skeptisch beäugt würden.
Genau darum geht es in meinem zweiten Beitrag:
Aquarell mal anders: Techniken für mehr Struktur und spannende Effekte
Wenn du lieber gemeinsam ausprobierst, findest du meine aktuellen Kunstkurse und Termine ebenfalls auf meiner Website.
